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Die neue Dimension der Christenverfolgung
4. August 2016
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Warum Europa (und die ganze Welt) in Sachen Religionsfreiheit zurück an den Start müssen

In Frankreich wird ein Priester massakriert. Außerhalb von Europa stehen Anschläge gegen Christen auf der traurigen Tagesordnung. Am Ostersonntag 2016 starben in Pakistan mehr als 70 Feiernde in einem Anschlag auf einen Familienpark. Die Hälfte davon Kinder.

Bereits vor dem Erstarken des „Islamischen Staat“ und ähnlicher Terrororganisationen hieß es: Alle fünf Minuten stirbt weltweit ein Christ für seinen Glauben. Das Christentum war bereits die am meisten verfolgte Religion. Dann gewannen die Terrororganisationen an Terrain. Während auch Muslime zu den Opfern gehören, werden Jesiden und Christen besonders angegriffen. Von den Entführungen, Folterungen, Ermordungen, Vertreibungen, Versklavungen, Vergewaltigungen und den Verwüstungen von Kirchen, Klöstern und Friedhöfen haben wir immer wieder gelesen und gehört. Die Zahl der Christen in Syrien ging innerhalb von kurzer Zeit von 1,25 Millionen auf 500.000 zurück, im Irak von 1,4 Millionen auf 275.000.
Die parlamentarische Versammlung des Europarats nannte im Jänner 2016 das Vorgehen des IS „Genozid“ – Völkermord. Das internationale Recht definiert Genozid als Verbrechen der Verbrechen – „committed with intent to destroy, in whole or in part, a national, ethnical, racial or religious group” . Dabei handelt es sich nicht nur um eine Bezeichnung: es bringt die Verpflichtung der Staatengemeinschaft mit sich, mit allen notwendigen Mitteln das Verbrechen zu beenden, zu verhindern und sicherzustellen, dass keine eigenen Landsleute darin involviert sind. Am 4. Februar zog das Europäische Parlament nach und forderte außerdem die Einrichtung eines EU-Beauftragten für Religionsfreiheit. Am 17. März folgte die Anerkennung der Verbrechen als Völkermord durch den US – Congress, im Juni 2016 auch durch den Wiener Gemeinderat.

Noch 2014 meinte Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses: „Why is the world silent while Christians are being slaughtered in the Middle East and Africa? … the barbarous slaughter of thousands upon thousands of Christians is met with relative indifference.“ Nach den Angriffen auf Christen im Jänner 2011 zum Beispiel konnten sich die EU Außenminister nicht darauf einigen, Verbrechen „gegen Christen“ anzuprangern und wandten sich lediglich gegen „religiöse Gewalt“. Diese „politisch-überkorrekte“ Ausdrucksweise ist schlussendlich den Fakten erlegen. Nun müssen Taten folgen: Der UNO Sicherheitsrat muss den Internationalen Strafgerichtshof einschalten. Verfolgte Christen sollen in ihren Herkunftsländern mit allen notwendigen Mitteln geschützt werden. Sie sollten aber auch geregelte Ausreisemöglichkeiten erhalten.

Durch die Flüchtlingswelle kam diese Art der Christenverfolgung aber auch zu uns. In Flüchtlingsheimen in Österreich und Deutschland mehren sich die Übergriffe von Moslems auf Christen. Sie werden bedroht, nicht in die Gemeinschaftsküche gelassen, geschlagen. Sie leben in Angst. Seine bevorstehende Taufe in Wien bezeichnet der afghanische Flüchtlinge mit dem Taufnamen Christoph im Kurier am 15. April als mögliches „Todesurteil“. Eine separate Unterbringung von Christen ist umstritten – für viele käme dies einer Kapitulation gleich. Dennoch ist es notwendig, gegen die Fortsetzung der Verfolgung in anderer Umgebung entschieden vorzugehen. Es ist unmenschlich, eine objektiv gefährdete Gruppe als Versuchskaninchen für das Abtesten des europäischen Integrationsprojekts einzusetzen. Zwei christliche Flüchtlinge in Berlin bedankten sich für die neue private Unterkunft überschwenglich: „Endlich können wir ohne Angst schlafen!“

Das Thema ist aber noch vielschichtiger: Am 12. April sprach Papst Franziskus von einer neuen Art der Verfolgung: einer „höflichen, wohlerzogenen Verfolgung“ : „Ich denke hierbei an jene Verfolgungen, bei denen ein Mensch nicht wegen seiner Bezeugung des Namens Christi verfolgt wird, sondern weil er die Werte des Gottessohnes vertreten will“. Diese Art der Verfolgung trete oft „verkleidet als Kultur, Modernität oder Fortschritt“ auf. Es werde nur wenig darüber gesprochen und es gehe um den „kulturellen Ausschluss“ von Christen aus einer Gesellschaft. Dies geschehe meist durch Gesetze oder Richtlinien, die Gläubige von der Arbeit oder dem Alltag ausschließen würden. „Eine Nation, die jenen sogenannten modernen und aufgeklärten Gesetze nicht folgt oder sie nicht in ihrer Gesetzgebung haben will, wird angeklagt und auf höfliche Weise verfolgt. Das ist eine Verfolgung, die dem Menschen seine Freiheit raubt, auch diejenige der Ablehnung aus Gewissengründen,“ so Papst Franziskus.

Der europäische Säkularismus scheint also nicht in der versprochenen Weise neutral zu sein und Platz für alle zu haben. In Sachen Religionsfreiheit heißt es demzufolge in Europa und weltweit leider: Zurück an den Start.

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