Über Absichten und Auswirkungen des Gender Mainstreaming
3. August 2016
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Wenn Hirsch_*/Innen nicht mehr röhren dürfen
Über Absichten und Auswirkungen des Gender Mainstreaming

Was bedeutet Gender?

Das Wort „Gender“ ist zweideutig: Es wird häufig als Bezeichnung für das herkömmliche Wort für Geschlecht (engl. „sex“) verwendet, obwohl es eigentlich ein sogenanntes „soziales Geschlecht“ (engl. „gender“) meint. „Sex“ ist das biologische Geschlecht, also das, was die Hebamme nach der Geburt freudig ausruft. „Gender“ hingegen ist ein soziales Konstrukt a la „Ich bin, wie ich mich sehe oder fühle“, „ich bin, wie mich die anderen sehen“, etc.
Der Widerspruch zwischen Biologie und der Gendertheorie ist evident. So formulieren es einige der durchwegs staatlich gut finanzierten „Genderforscher“: „Anatomie ist ein soziales Konstrukt“ (Judith Butler). „Es sind vor allem kulturelle Akte, die einen Mann zum Mann machen“ (Franziska Schössler). „Es ist Willkür, wenn Menschen nach ihren Geschlechtsteilen sortiert werden, genauso gut könnte man die Größe nehmen oder die Haarfarbe,“ „Naturwissenschaft und Medizin haben eine ähnliche Funktion, wie die Theologie sie einst hatte.“
Ein Hauptfehler der Gendertheorie ist die Annahme, dass sich das biologische Geschlecht nicht auf die Psyche auswirkt. Das ist wissenschaftlich nicht nur umstritten – sondern unhaltbar. Diese falsche Grundannahme ist – höflich formuliert – „unökologisch“ und daher für den einzelnen und für die Gesellschaft gefährlich.

Was will Gender erreichen?

Gut gemeint ist manchmal das Gegenteil von gut. Im Folgenden beschreibe ich drei Intentionen, die dem Gender Mainstreaming zugrunde liegen.

1) Gender Mainstreaming will gegen den „gesellschaftlichen Vorrang“ des (heterosexuellen) Mannes sensibilisieren.

Auf geschlechtsspezifische Merkmale zu achten ist in einigen Bereich jedenfalls sinnvoll: so z.B. in der „Gendermedizin“: Krankheiten und Therapien wirken sich bei Männern und Frauen unterschiedlich aus, übrigens ein Beweis, dass das biologische Geschlecht wesentlich ist!
Dann wird es aber recht schnell unsinnig. Als Sinnbild männlicher Dominanz entfernte man in einer Werbebroschüre eines deutschen Naturparks das Bild eines röhrenden Hirschen.
Es gibt immer mehr Universitäten und Fachhochschulen, die nicht „gegenderte“ Arbeiten zurückweisen oder um einen Grad schlechter benoten. Form geht hier vor Inhalt; und dass obwohl die Formerfordernisse sprachwissenschaftlich nicht haltbar sind.
Ebenso besorgniserregend ist die Entscheidung des Bildungsministeriums, nur mehr gendergerechte Schulbücher zu approbieren. So liest man in einem Unterstufen-Deutschbuch folgende Aufforderung: „Eine/r ist Zuhörer/in, der /die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“
Solche Texte lenken den Fokus auf eine sachfremde Ebene und erschweren den Spracherwerb nachweislich. Sie behindern das Erfassen und Erlernen der Sprache, so der Schulbuchautor Dr. Thomas Kubelik, der einen von über 800 Experten unterzeichneten Brief gegen das „BinnenI“ initiierte. 85% der Bevölkerung lehnen laut einer breiten Studie den Zwang zum „Gendern“ ab. Der Präsident des Bundesverbandes der Elternvereine für mittlere und höhere Schulen, Theodor Saverschel, verlangt eine „sofortige Änderung der Vorschriften bezüglich Approbation von Schulbüchern.“

In einem Programmheft zum deutschen evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart heißt es auf S. 12: „…Diskussionsplattform über Anwältinnen und Anwälte des Publikums und über Saalmikrofoninnen und ‐mikrofone.“ Prof. Lothar Probst analysierte an der Uni Bremen im Jahr 2011: „Die Piratenpartei hat viele männliche Wählerinnen und Wähler.“

Meint denn der Plural im Deutschen wirklich nur die Männer? Ganz sicher nicht! Von Linguisten bewiesen sind beim generischen Maskulinum beide Geschlechter eingeschlossen (‘der Mensch’), wie auch beim generischen Femininum (z.B. ‘die Geisel’ und dem generischen Neutrum (z.B. ‘das Kind’). Bei keinem dieser Wörter kann man von einem „Nur‐mitgemeint-Sein“ sprechen. Ein Schmankerl: Die deutsche Sprache privilegiert sogar Frauen, denn die weibliche Form ist doppelt repräsentiert. Es gibt kein Wort nur für die männlichen! In der ZIB 1 hieß es unlängst: „Polizistinnen fassten den Verbrecher.“ Zu gerne hätte ich gewusst, ob es wirklich nur Frauen waren. Nicht mehr politisch korrekt formulierbar ist der Satz „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer.“

2) Gender Mainstreaming zielt auf die Gleichstellung von Mann und Frau ab.

Der Zivilisationsgrad ist auch erkennbar an der Weise, wie eine Gesellschaft Frauen behandelt. Gleichberechtigung musste auch bei uns mühsam erkämpft werden, gleiche Chancen und Möglichkeiten für beide Geschlechter sind heute selbstverständlich. Aber wollen wir eine „Gleichstellung“, die Männer und Frauen mittels Verordnung und staatlich finanzierten Orientierungstrainings von oben herab in gleichen Zahlen in alle Berufe drängt? Meines Erachtens ist das ein Rückschritt im Zivilisationsgrad, weil diese Art von Social Engineering weder Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen berücksichtigt, noch öffentliche Gelder adäquat verwendet.

3) Gender Mainstreaming will Diskriminierung von Menschen mit verschiedensten Geschlechtsidentitäten verhindern.

Für die Bezugaufnahme auf verschiedenste Geschlechtsidentitäten kann es nicht bei der Nennung der weiblichen Form bleiben. Ein „Gender-Gap“ muss her – eine Leerraum im Wort, in dem sich all jene widerfinden, die sich weder als Frau noch als Mann fühlen (z.B. Lehrer_innen, Lehrer*innen, etc.). Gegen Vorurteile und Diskriminierung vorzugehen ist sicherlich wichtig. Aber ob die Gendersprache hier wirklich der richtige Weg ist? Nur eine extrem kleine Minderheit von geschlechtsindifferenten Menschen ist hier erfasst: Transsexuelle wollen ja in der Regel dem anderen Geschlecht zugehören. Selbst Intersexuelle tendieren meist in eine Richtung. Unter dem Vorwand der Antidiskriminierung wirbt man dafür, dass sich jeder Mensch „geschlechtlich definiert“ und sein Geschlecht „selbst konstruiert“. Nur die Individualisierung sexueller Identitäten als lebensgeschichtliche Narrative überwinde die angebliche Diskriminierung, so heißt es in der Gendertheorie. Eine Schreibweise wird damit zu einem Instrument der Auflösung der Geschlechter.
Als Sinnbild dieser Bestrebungen gelten die sogenannten Unisextoiletten (schneller in Berlin angekommen in Form einer dritten Klotüre als man sich mit dem neuen Flughafen beschäftigen konnte) oder die Erlaubnis zur Benützung der Toiletten des anderen Geschlechts für alle, die sich (gerade) als jenes fühlen (umgesetzt an einigen US-Unis). Männer auf der Frauentoilette sind kein Fortschritt. Ich glaube nicht, dass die Pioniere der Frauenbewegung sich die Entwicklung ihrer Bewegung so vorgestellt haben.
Des einzelnen Recht auf Selbstbestimmung ist unbestritten. Die Ausprägungsformen des Gender Mainstreaming betreffen aber nicht nur diesen Bereich. Wir finden sie zum Beispiel auch in den Vorgaben der Sexualerziehung: Alle „Geschlechtsidentitäten“ (über 50 auf Facebook) sollen gleichermaßen gelehrt werden. Durch Ausprobieren sollen die Schülerinnen und Schüler ihres entdecken. Weil Minderheiten außerdem gefördert werden, kommen sie überproportional häufig vor. Auf der Strecke bleiben in der Sexualkunde stattdessen Konzepte wie Liebe, Fruchtbarkeit, Konfliktlösung, etc. – bis hin zur Frage was Geschlecht, Liebe und Sexualität mit der großen Frage nach dem Sinn im Leben zu tun haben.

Was lässt am Gender Mainstreaming sauer aufstoßen?
Gender Mainstreaming will die Gesellschaft verändern. So weit so gut. Hier ist es aber nicht die Basis, die ein Anliegen hat. Die Veränderung wird von oben verordnet. Es handelt sich um eine staatliche Erziehungsmaßnahme und eine massive Bevormundung. Von oben herab diktiert man Sprache und damit Gedanken. Zig Genderbeauftrage arbeiten mit über 140 Genderlehrstühlen allein in Deutschland gut zusammen.
Die Gendertheorie ist keine Wissenschaft sondern eine Weltanschauung, die derzeit weltweit recht fundamentalistisch und totalitär auftritt.
Gender Mainstreaming soll die Geschlechter gleichstellen. In Wahrheit will es diese aber abschaffen. Wie für Pflanzen und Tiere gibt es Dinge, die für den Menschen ökologisch sind. Ökologie funktioniert aber nur dann, wenn man Lebewesen gemäß der ihnen innewohnenden Gesetzmäßigkeiten behandelt. Dazu gehört für den Menschen die Identität als Frau oder als Mann.

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